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Von Pompeji ging es schnurstracks 700 Kilometer Richtung Norden. Wir peilten das Juwel der nördlichen Apenninen bei Reggio Emilia – den am höchsten Punkt 150 Meter messende „Pietra de Bismantova“ - einem freistehenden Sandsteinmassiv an. Das Wetter zeigte sich die neun Tage sehr wechselhaft; erst heiße Temperaturen bei Sonnenschein, danach Hagel und Sturm, dessen Kühle uns in eine warme Fleecejacke flüchten ließ, bis hin zu zwei Tagen Dauerregen, der beim Nachlassen die schönsten Regenbögen vor der Kulisse des immer präsenten Pietra de Bismantova hervor zauberte.
Die erste Nacht in dieser Region bescherte uns einen sternenklaren Himmel inklusive Sternschnuppen. Nein wir lagen nicht ohne Zelt in unserem Schlafsack und genossen dieses Naturschauspiel. Die erste Nacht schliefen wir auf dem Parkplatz vor dem Kletterfelsen im Auto, da die Suche nach dem ortsansässigen Campingplatz früh um halb zwei keine Früchte trug. Tags darauf erfuhren wir, dass dieser schon seit fünf Jahren geschlossen war. Einen Campingplatz am See „Calamone“ auf 1300 Höhenmeter mit hauseigenem Skilift, der von einem Stern (unser aktueller Infostand) auf vier Sterne aufgerüstet hatte, verschmähten wir und suchten nach anderen Alternativen. So schlugen wir unser Basecamp nahe Cervarezza nur zehn Autominuten von Castelnovo ne´monti auf. Von unserer Panoramaaussicht hatten wir stets Blick auf den Pietra de Bismantova – einfach zu schön. Wenn das Wetter es zuließ, kletterten wir in den Sektoren Banana und Gare Vecchie – unsere Füße merkten dabei schnell, dass diese Kletterei Steherqualitäten verlangt. Wenig gute Griffe und leicht geneigte Wand dominieren die leichteren Routen. Auch einige Boulderfelsen befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Fels, welche jedoch aufgrund fehlender Bouldermatte und mangels sicherem Absprunggelände aus unserem Kletterraster fielen. So standen wir also nur kurz vor „Moby Dick“ und hingen uns an das ausladende Dach. Dem Pietra de Bismantova kann man natürlich auch auf den Kopf klettern bzw. ihn erwandern. Dann steht man unvermittelt auf einer zwölf Hektar großen Wiese mit nur wenig Bewuchs. Hier bietet sich ein Rundblick vom feinsten: tiefgrüne Hügel und Wiesen, Felder, schneebedeckte Gipfel und den Mount Ventasso (1727 Meter), um nur einen der angrenzenden Berge beim Namen zu nennen. Dieser soll hier Erwähnung finden, da wir den Berg nach zwei Tagen Dauerregen erklommen, um die eingerosteten Glieder wieder auf Vordermann zu bringen. Bis hoch zum Refugio wanderten wir, umgeben von Wildrosen und Quellen in dichten Kastanienwäldern. Erst an der unbewirtschafteten Hütte lichtete sich der Wald und gab die karge Natur des Berges preis. Die Wanderung gipfelte in einer Gratbeschreitung und endete am Gipfelkreuz am höchsten Punkt des Mt. Ventasso. Mehr Leute als erwartet, hatten die selbe Idee und saßen in geschützten Ecken, um dem bissigen Wind zu entgehen, sahen wie wir dem Wolkenspiel zu und ließen sich von den Sonnenstrahlen verwöhnen. Als wir genug Höhenluft geschnuppert hatten, beendeten wir unseren Aufenthalt mit einem Eintrag ins Gipfelbuch. Auf einer anderen Wanderung durch dichte Wälder und entlang an Wiesen und Sümpfen entschieden wir uns für eine Abkürzung durch den Wald. Wir kamen nur ein paar Schritte, als es plötzlich aus dem tiefen unergründeten Dickicht lautstark grunzte und röhrte nur wenige Meter von uns entfernt. Was in aller Welt war das, fragten wir uns und blieben wie gelähmt stehen. Da blieb uns nichts anderes übrig als den Rückzug anzutreten, denn wir vermuteten eine wütende Wildschweinfamilie hinter den animalischen Lauten. Da sag noch mal einer Klettern sei gefährlich – Wanderer sind viel größeren Gefahren ausgesetzt. Nach neun Tagen entschlossen wir weiterzuziehen – der Wetterbericht versprach nichts Gutes. Bevor wir Bismantova von den Apenninen über die flache Po-Ebene Richtung Alpen verließen, hielten wir auf einen kleinen Zwischenstopp in Canossa an. Zwar zeugte hier nur noch eine Turmruine von der sagenumwobenen Burg, trotzdem erfährt der Interessierte in dem kleinen Museum viel wissenswertes über die Besitztümer und Machenschaften der Markgräfin Mathilde von Tuszien, welche Anfang des 11. Jahrhundert hier schaltete und waltete. Nun hieß es auf zur letzten Etappe. Nächster Halt: Lumignano |