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Sieben Monate und 19.847 Kilometer währte unsere kleine Süd-Europa-Rundreise. Nun hat uns Deutschland wieder und keine Berge säumen unseren Weg … keine Höhensonne kitzelt unsere Waden … weit entfernt scheinen die Fledermäuse, Vögel, Grillen und das Meeresrauschen und weichen anderen uns fremd gewordenen Stadtgeräuschen … nun ist unser Tag wieder voll gepackt mit Verpflichtungen … wann werden die Träume und Sehnsüchte wieder von uns Besitz ergreifen und uns ausfliegen lassen in unbekannte Landstriche … und werden wir ein bisschen unsere Kletterform halten können...? Doch genug philosophiert: Lasst uns noch schnell etwas vom letzten Anlaufpunkt „Lumignano“ erzählen.
Unsere Vorabinformationen über Lumignano (Stand 2002) waren diesmal zuverlässiger als bei manch anderer Etappe neueren Datums. Lumignano wird hier noch als Insider-Tipp gehandelt; den hand-made Kletterführer sollte man in der ortsansässigen Pizzeria für sechs Euro erstehen, war dort zu lesen. Den Topo, den wir dann bekamen, kostete 20 Euro mit Schwarz/Weiß-Hochglanzbildern und auch die Kauflokation hatte sich leicht geändert – die anderen Informationen zum Klettergebiet erwiesen sich dafür als genau richtig. Lumignano selbst ist ein kleines verschlafenes Dorf mit einer Kirche, Kindergarten und Pizzeria. Nur abends erwacht es aus seinem Dornröschenschlaf und dann wimmelt es in den Straßen von Abendspaziergängern und man trifft sich in der Pizzeria zum Abendtratsch. Sogar die in reines Weiß gekleideten Nonnen trauen sich dann aus ihrem Domizil. Tagsüber sieht man eigentlich nur Radprofis und eine Handvoll Wanderer. Alles recht überschaubar. Die meisten Kletterer finden sich auch erst in den späten Nachmittagsstunden am Fels ein, wenn die Sonne aus den südseitig ausgerichteten Sektoren verschwunden ist. Wir hingegen versuchten auch schon Vormittags ein paar Routen zu ziehen. Also gleich ran an den Fels hieß das Motto am ersten Tag. Uns erwartete gute Kalksteinqualität und massig Kletterstoff für mehrere Wochen. Von Einseillängen-Sportkletterrouten bis hin zu einigen Mehrseillängentouren wird hier alles geboten, was das Kletterherz höher schlagen lässt. Da die Locals alle am Sektor „Sotto l´Eremo“ rumturnten, kann man in aller Ruhe die restlichen Gebiete abchecken. Im Sektor „Minetti“ kletterten wir uns ein, weiter ging es zum „Brojon Classic“ (leicht polierte Routen; hier will man schon was sehen für den Schwierigkeitsgrad) mit seiner fantastischen Aussicht. Dann schauten wir uns noch drei Untersektoren von „La Chiesa“ an: Im „Vie Lunghe“ hatte es mir „Principessa Poppea 6c 25m“ angetan. Zickte und zierte sich die Route am 3./4. Bolt wie eine echte Prinzessin, wurde sie nach oben hin etwas ruhiger; trotzdem war Power die ganze Seillänge über gefragt. Wer hier nicht ruhig blieb und kraftsparend kletterte, wurde unweigerlich abgeworfen. Mit fünf Sternen bewertet, war die Route erwartungsgemäß herausragend und schön zu klettern, wenn man von zwei sehr spitzen schmerzhaften Griffen absieht. Die Kletterer im Sektor „Il Vomere“ sah man immer schon vom Marktplatz des Dorfes aus. Da wollten wir auch einmal hin. Hier erwarteten uns griffarme und wirklich sehr technische Routen – also leider kein Gebiet für Onsight-Begehungen. Unseren letzten Tag verbrachten wir im „Destra“. Hier gab es ein paar schöne 6c+ und 6c Routen mit stark überhängenden Einstiegen. Sogar einige Sinter finden sich in den Routen. Wir grasten jene mit fünf Sternen ab, mussten aber feststellen, dass diese schon stark begangen waren. Da das Band zum Sichern zu schmal war, war die Kommunikation der oberen fünfzehn der dreißig Meter so stark eingeschränkt, dass man sich schon blind verstehen muss, um hier nicht auf die Nase zu fallen. Außerdem sollte man hier nicht zu solchen Zeiten wie wir klettern, wenn das Dorf eine Hochzeit feiert. Durch die Nähe zu den Kirchenglocken dröhnen mir immer noch die Ohren, wenn ich nur daran denke. Will man den ganzen Tag keine Menschenseele zu Gesicht bekommen, kämpft man sich in den Sektor „Anfiteatro“. Nach hier oben verläuft sich sicher keiner so schnell. Auf einen super steilen Zustieg folgen mehrere Fixseile, die den ein oder anderen exponierten Tiefblick gewähren. Hat man diese erst einmal bewältigt, steht man vor 30 Meter langen Routen, die es zu erstürmen gilt. Einen kleinen Haken hat dieses sonst so herausragende Klettergebiet dann aber doch noch - wo soll man schlafen? Unterkunftsmäßig bleibt dem gemeinen Camper leider nur der überteuerte Vier-Sterne-Campingplatz in Vicenza – vier Sterne für nix außer Lärm von der 20 Meter entfernten Autobahn, einer vergammelten Tischtennisplatte und einem nicht funktionierendem Tischkicker. Wir hielten es hier nicht lange aus und bevorzugten in Lumignano im Auto unser Nachtlager aufzuschlagen – sehr zur Freude der Mücken, die uns wahrscheinlich schon in der Pizzeria (unserer Abendeinkehr) auflauerten und uns verfolgten. Nach elf Tagen war es dann am 15.06.2009 Zeit für die Heimreise, nachdem wir auch Wanderungen auf den Mt. Brojon und Monte della Croce unternommen hatten. Nicht dass uns die Kletterziele ausgegangen wären – nein. Das Problem war mal wieder das liebe Wetter, welches uns einen Strich durch die Rechnung machte – mindestens eine Woche Regen war für Nord-Italien und Österreich angesagt. Da wir keine Lust hatten in einem nassen Zelt auf das ungewisse Schönwetterfenster zu warten, traten wir den Weg in heimische Gefilde an. |