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14. Etappe – Auf den Spuren der Lyker, Pamukkale und Istanbul PDF Drucken
Geschrieben von: Beate Kölling   
Sonntag, 14. Juni 2009 um 17:55 Uhr

Nach den Kletterhighlights Geyikbayiri und Olympos absolvierten wir in den folgenden zehn Tagen ein Kulturprogramm der Extraklasse. Dieses wird einem an der Türkischen Riviera geboten und wir schlugen zu. Wir zeigten keine Gnade und besichtigten alles was sich uns in den Weg stellte. Einzig und allein die Sonne stellte sich gegen dieses Vorhaben und brannte Anfang Mai erbarmungslos auf uns hinab und versüßte uns diesen Kulturschock in keinster Weise. Doch natürlich fanden wir auch das ein oder andere Felselchen, denn ganz ohne klettern geht es nicht mehr.

 

--- Von Kale bis Fethiye ---


Unser erster Anlaufpunkt waren die Felsengräber von Myra bei Kale/Demre. Wir hatten hier schon hübsche Bilder von den in den Sandstein geschlagenen Gräbern gesehen – spektakulär und schön in Szene gesetzt. Hat man sich vor Ort erst einmal durch die nicht endende Souvenirgasse gekämpft und tapfer den unverschämten Eintrittspreis bezahlt (jaja, Kultur kostet eben seinen Preis), steht man auch schon vor besagtem Highlight. Daneben befindet sich noch ein Amphitheater, viele Säulenreste liegen auf dem Boden, nebst Artefakten von denen Fratzenköpfe prangen – mehr gibt es nicht zu sehen. Enttäuscht zogen wir nach einer halben Stunde Photoshouting ab. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Deswegen verschmähten wir auch den Besuch der bekannten nahe gelegenen Nikolaus-Kirche.

So ging es weiter nach Kas; einer Stadt mit vielen engen Gassen, einer Halbinsel mit Blick auf die vorgelagerten griechischen Inseln und einem Hafen, in dem türkisch ernst dreinschauende Soldaten mit Gewehr jeden Moment den Einmarsch der Griechen erwarten. Hier wanderten wir auf dem Lykischen Weg in karger Landschaft zwischen bunten lebendigen Wildblumenwiesen und Macciasträuchern – immer mit Blick auf die schneebedeckten Berge des Umland und kamen so in „Phellos“ mit seinen viel photographierten Pfeilgräbern vorbei. Abends genossen wir dann auf dem Steg des Campingplatzes den Blick auf die geschäftigen Fischerboote in der Bucht, schauten den Fledermäusen bei ihren Flugmanövern zu, lauschten den Grillen und schliefen mit dem Meeresrauschen ein.

Wir fuhren weiter auf der Küstenstraße Richtung Kalkan, wo die alles beherrschende Steilküste nur von der Kaputasschlucht mit einem kleinen Sandstrand unterbrochen wird und steuerten die Saklikentschlucht mit seinen Karstquellen an. Doch viel eindrucksvoller als diese Laune der Natur war das urromantische türkische Hinterland, durch welches wir fuhren. Ländliche Idylle sowie volle Dorfplätze und Bars erwarteten uns hier. Vor allem ein Abstecher ins 640 Höhenmeter gelegene Bergdorf Aklar wird uns im Gedächtnis bleiben. Die sich endlos windende Serpentinstraße endet abrupt auf dem Marktplatz des Dorfes – nur wenige Leute wohnen und leben hier noch von der Landwirtschaft. Von der nahe gelegenen historischen Stätte „Asarcik“ hat man einen wunderschönen Tief- und Weitblick auf tausende in der Sonne blinkende Gewächshäuser bis hin zum Mittelmeer.

Im Eiltempo ging es zur „Safaritour“ nach Patara. Safaritour deshalb, weil man diese weitläufige Ruinenstadt mit dem Auto erkunden darf. So fährt man auf einer gut befestigten Straße entlang und lässt seinen Blick nach links und rechts schweifen. Passiert man den Torbogen von Patara, ist es auch nicht mehr allzu weit bis zu den Hauptattraktionen – dem im Wasser stehenden, von endlich auch einmal aufrecht stehenden Säulen gesäumten Tempel, dem Amphitheater... Noch einen Kilometer weiter und man erreicht den zehn Kilometer langen Sandstrand von Pataras mit noch intakter Dünenlandschaft. Dieser Strand darf nur eingeschränkt genutzt werden, denn den unter Artenschutz stehenden Wasserschildkröten dient dieser Strand zur Eiablage.

Nach all den Eindrücken ging es gesättigt mit Informationen zur türkischen Geschichte an den ÖlüDeniz bei Fethiye – dem berühmtesten und touristisch am besten erschlossenen Sandstrand der Türkei. Hier war der Himmel Tag für Tag voll von Paraglidern, welche sich vom 1989 Meter hohen Baba Dagi stürzten und gekonnt oder weniger geschickt auf dem Sandstrand zwischen den Sonnenanbetern landeten. Auch in uns wurde der Wunsch laut, sanft bzw. in wilden Manövern zur Erde zu gleiten. Leider mussten wir dafür zwei total verregnete Tage überstehen. Einen nutzten wir für eine Erkundungstour in und um Fethiye. Besonders sehenswert war die Freiluftwerft auf der angrenzenden Halbinsel Letoonia. Alte Schiffe wurden renoviert und neue waren im Begriff zu entstehen – und man selbst fährt mitten durch die rege Betriebsamkeit. Am zweiten Regentag wurde Ronny zum türkischen Friseur und Barbier geschickt – über fünf Monate durften seine Haare sprießen und wachsen wie sie wollten; nun sollten sie gebändigt werden. Mal sehen ob ich Vorher/Nachher-Bilder ins Netz stellen darf ;-)

Nach diesen zwei Tagen war es dann endlich so weit. Das Warten hatte ein Ende. Eine abenteuerliche Offroadfahrt später standen wir auch schon auf dem Berg, bekamen den Gurt umgeschnallt, wurden an unseren wohlgenährten „Flugbegleiter“ geklinkt, noch ein paar Schritte auf der abschüssigen Startbahn gelaufen und schon schwebt man dahin. Wer höflich fragt, darf die Fäden seines „Drachen“ sogar einmal selber in die Hand nehmen. Wem dann immer noch langweilig ist, verlangt nach einer Zugabe in Form von Manövern, die den Magen ins Rollen bringen. Auch die Landung verlief problemlos – Punktlandung auf dem Grün – einfach nur genial.


--- Klettern bei Faralya und die Geisterstadt Makri ---


Weniger toll war dafür die Kletterei in der Nähe der 200-300 Meter tiefen Schmetterlingsbucht bei Faralya. Nur 8-10 Routen der Schwierigkeiten 6a-7a werden einem hier geboten. Sogar eine zweite Seilschaft kletterte dort mit uns und wir waren uns einig, dass der Kalkstein qualitativ zu wünschen übrig lässt. Ziemlich sandig und rutschig fanden wir die Routen vor, waren aber dennoch froh wieder einmal in der Wand zu hängen. Deswegen kletterten wir hier auch nur einen Tag und stießen lieber noch ein paar Kilometer auf dem Lykischen Weg vor. Dieser führte uns diesmal in die Geisterstadt Makri, welche von den Griechen geräumt werden musste. Nun flattern an jeder Seite der Stadt stolz türkische Fahnen. Besonders sehenswert sind die Mosaike vor einer der zwei Kirchen. Vom Aussichtspunkt hat man wieder eine wunderschöne Aussicht – diesmal auf eine Ruinenstadt mit Pflastersteinstraßen. Schön anzusehen war auch, wie sich die Natur der Stadt bemächtigt in Form von Bäumen, die mit den Hausmauern verwoben waren.


---Die Kalkterassen von Pamukkale ---


Letzter Stopp vor Istanbul war das von Fethiye 280 Kilometer entfernte Pamukkale. Schon von weitem sticht es als weiße Fläche in grüner Hügellandschaft heraus. Schon einige Meter nach dem Eingang heißt es hier Schuhe aus und Barfuß weiter. Einige missverstanden diese Aufforderung wohl, denn man sah auf einmal über 50% der Leute halbnackt in Bikini und Badehose herumlaufen.

Während am Wandfuß der Terrassen Arbeiter damit beschäftigt waren, die braun/gelben Verunreinigungen zu entfernen, spielten sich die Touristen oben in den Kalkbecken aus. Jeder wollte vom heilenden Wasser umströmt werden: dickbäuchige Herren britischer Nationalität, ältere Damen mit Badehäubchen, kichernde Girlies... Neureiche Russen posierten mit Kapitänsmütze und Badehose vor den Becken, räkelten sich in diesen und ließen ihre holde Begleiterin Fotos im Sekundentakt schießen. Und so gab es noch viele weitere peinliche Auftritte zu sehen.

Wir hatten erst einmal genug von dem Treiben und suchten Schatten in den angrenzenden „Ruinen von Hierapolis“ und liefen auf der alten Plattenwegstraße (Vorsicht vor den Löchern – unter den Platten befindet sich die Kanalisation) durch die Stadt bis zum sehr gut erhaltenen Amphitheater. Wer das nötige Kleingeld und die Ausdauer hat, geht noch ins angrenzende Museum und Antike Bad, welches damit wirbt, das einzig wahre heilsame Wasser der Region zu haben. Ausdrücklich und in mehreren Sprachen wird hier Brief und Siegel gegeben, dass die unten liegenden Hotels nicht mit diesem ECHTEN Wasser dienen können.

Als wir Rückzu wieder an den Kalkterassen ankamen, hatte man sich die Mühe gemacht, all die Verrückten aus den Wasserbecken zu vertreiben. Aber wo sollten denn nun all die armen Touristen in Badebekleidung hin??? Man begnügte sich nun mit den gemauerten künstlich angelegten tiefer gelegenen Becken, welche durch Kanäle gespeist wurden.


--- Istanbul – eine brodelnde Metropole ---


Nachdem wir nun auch dieses Naturschauspiel gesehen hatten, fuhren wir Richtung Istanbul. Eigentlich wollten wir ja immer einen großen Bogen um die Metropolen machen, aber wir konnten der Versuchung diesmal nicht widerstehen. Was sollte denn schon schief gehen – wir hatten ja Mahir als Bodyguard, als Dolmetscher, als Reiseführer. Der ein oder andere wird Mahir wohl noch kennen – lange Zeit kletterte er in Cottbus und der Sächsischen Schweiz mit uns. Nun zeigte uns der Bauherr also seine Stadt: Zuerst stolz seine vier gebauten Häuser, dann den Bauernhof seiner Familie, er ging mit uns ins Archäologische Museum und zeigte uns schöne kleine Cafes am Rand des Bosporus bis hin zu jenen direkt in der City mit Blick auf die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die für den Landausflug hier vor Anker gehen.Er schlenderte mit uns auf der großen Einkaufsmeile „Istikal Caddesi“, auf welcher auf zwei Kilometer eine originale S-Bahn vom Beginn des 20. Jahrhunderts fährt und dessen Nordende der Taksim-Platz mit dem Unabhängigkeitsdenkmal und der Galaturm sein Südende bildet. Hunderte von Menschen taten es uns samstags gleich. Dieser Leutepulk wurde immer wieder von Demonstranten und Polizeikonvois in ihren gepanzerten Einsatzwagen durchschnitten – ganz schön unheimlich diese angespannte Atmosphäre. Hier ließ Mahir uns typische türkische Gerichte wie Dürüm und Köfte verkosten; aber auch vor sogenannten „Köstlichkeiten“ (deren Namen und v.a. Inhalt ich zum Selbstschutz verdrängt habe), verschonte er uns nicht.

Unter der Woche waren wir dann auf uns allein gestellt und besichtigten zuallererst die Hagia Sofia, welche erst als Kirche fundiert, später zur Moschee umgebaut wurde und heute Museumscharakter aufweist. Ein beeindruckender Bau, nicht zuletzt wegen seiner Kuppel mit einem Durchmesser von 31 Metern und einer Höhe von sage und schreibe 55,60 Metern. Als nächstes sollte das Topkapi-Serail unsicher gemacht werden. Neben dem Palastbezirk, den Stallungen mit den Kutschen, dem Audienzsaal, dem Tulpengarten mit seinen Springbrunnen, dem Harem und der Bibliothek bildeten die zwei Schatzkammern mit prunkvollen Schwertern, Kronen, Diamanten und einem Thron den Höhepunkt der Besichtigung. Danach stand uns der Sinn nach einem Moscheebesuch. In jedem noch so kleinen Dorf steht mindestens eine davon – da wollten wir, wenn wir schon einmal in der Türkei sind, auch eine von innen sehen. Also ab in die Blaue Moschee – ein beeindruckendes Bauwerk mit den dicksten Säulen, die ich je gesehen habe. Auf dem roten Teppich beteten einige Muslime, ein Gelehrter blätterte in einem angrenzenden Raum in einem wertvoll aussehendem Buch und hinter dem Absperrband standen wir sowie hundert weitere Schaulustige. Jeder mit einer Plastetüte mit seinen eigenen Schuhen in der Hand – ganz schön albern. Dafür ist unsere Neugierde nun auch gestillt.

Zuguterletzt hatte es uns noch der „Große Basar“ angetan. Der Zugang zu dem teils überdachten teils offenem Handelsplatz für alles was das Herz begehrt, war schnell gefunden. Ich wollte immer tiefer ins Getümmel – geblendet von dem Schmuck und den Goldwaren (typisch Mädchen eben). Eine Gasse war interessanter als die andere. Nach geraumer Zeit jedoch hatte ich die Orientierung verloren und bat meinen Obernavigator uns wieder heraus zu lotsen. Ich wäre hier allein hoffnungslos verloren gewesen. An den Ausläufern des Basars starrten wir fassungslos auf Läden, die sich auf ein Produkt spezialisiert hatten. Hier gab es doch tatsächlich fünf Geschäfte nebeneinander, die ausschließlich Knöpfe und Nieten verkauften. Oder auf der anderen Straßenseite nur Läden mit Kopftüchern. Endlich hatten wir das Gewirr der Gassen hinter uns gelassen und kamen an der Galatabrücke und der Neuen Moschee heraus, vor welcher sehr alte Leute in einer kleinen Bude auf Holzhockern saßen und Taubenfutter verkauften – ein trauriges Bild.

Bevor wir Istanbul verließen, schauten wir uns noch das Klettergebiet „Ballikayalar“ nahe Tavzanliköyn 30 Autominuten von Istanbul entfernt, an. Hier lädt ein kleiner Naturpark zum Klettern und Wandern ein. Zu beiden Seiten des Canyons, in dem ein Fluss dahin plätschert, stehen Felsen mit eingebohrten Routen. Wir orientierten uns zur rechten Felsseite (in erster Linie, weil hier Schatten vorherrschte) und stiegen ohne Kletterführer in die ein oder andere Tour ein. Nicht einmal die Locals, die wir hier antrafen, hatten ein Topo und kletterten wohl auch nur nach Gefühl oder kannten die Schwierigkeiten vom Hören-Sagen. Leider waren viele der Routen hier stark poliert und glatt, so dass bei uns keine richtige Kletterlaune aufkommen wollte und wir den linksseitigen Felsen nicht mehr antesteten. Stattdessen wanderten wir noch ein wenig in Mutter Natur umher und ließen den Tag mit einem Gläschen türkischen Tee ausklingen.

Wir blicken zurück auf zwei Monate in der Türkei und können unsere Eindrücke gar nicht so richtig in Worte fassen. Ein wunderschönes noch ursprüngliches Land, welches mit unserem Besuch in Istanbul dank Mahir zu einer unvergesslichen Etappe wurde, die wahrlich schwer zu überbieten ist.

 

 
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