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Als wir Istanbul verließen, waren unsere Blicke auf das nächste Reiseziel fixiert: Meteora in Griechenland sollte es sein. Doch so schnell wollte uns die Türkei nicht mehr loslassen. Erst standen wir ewig im Autobahnstau, dann war die Bosporus-Brücke verstopft und an der Grenze durften wir all unsere Habseligkeiten aus dem Auto räumen – sogar das Reserverad wurde durchleuchtet. So erreichten wir erst abends um zehn Uhr nach elf-stündiger Autofahrt den Kastraki-Campingplatz und sahen nur noch schemenhaft die hohen Felsen von Meteora.
Die Meteora-Etappe ist relativ schnell erzählt. Viel geklettert sind wir hier nicht. Zum einem, weil wir dem Gestein nicht so recht trauten. Viele Kieselsteine unterschiedlicher Größe, Form und Farbe halten irgendwie zusammen und bilden so das Konglomeratgestein. Die meisten Touren sehen dann aus wie leicht geneigte Rampen, an denen man hochschleicht und hofft, keinen der mehr oder weniger herausstehenden Steinchen herauszubrechen. Die Boltabstände waren für uns verwöhnten Sportkletterer dann wieder mal eine Nummer zu weit und keine Chance selber Sicherungen zu legen – kein Riss, keine Nase, keine Sanduhr gab das Gestein preis. Zum anderen hatten wir auch wieder mal keinen Kletterführer. Dafür aber eine handgeschriebene Liste mit Warm-ups, Must-Climbs und Genussrouten im Gepäck, die uns ein Kletterer in Geyikbayiri freundlicherweise zusammenstellte. Wir jedenfalls interessierten uns für die Handvoll Sportkletterrouten am „Doupiani-Fels“. Leider waren diese, als wir hier eintrafen, schon von zwölf Italienern besetzt, die sich dann auch den ganzen Tag hier die Zeit vertrieben. So stiegen wir in eine Route in der Nähe ein, welche uns durch ihre sechs Meter Boltabstände das Fürchten lehrte. Später schauten wir uns die Hauptattraktion des Gebietes – die auf den Felsen errichteten Klöster – genauer an. Sechs Klöster sind mit dem Auto in einem Tag gut und schnell zu erreichen: Agia Triada, Varlaam, Roussanon, Agios Nikolaus, Agios Stefanos und Great Meteora. Letzteres erklommen wir auf seinen Stufen bis nach oben, ich bekam der Kleiderordnung halber einen Rock umgebunden und schon hat man nicht nur einen wunderschönen Blick auf die umgebenen Felsen und Klöster, sondern kann sich auch daran machen, die Inneneinrichtung zu erforschen – von den Weinfässern im Keller, in die Küche, durch die Kirche mit ihrem riesigen Kronleuchter bis hin zum Museumsteil. Sogar zwei Mönche in ihren dunklen Kutten bekamen wir durch Zufall zu Gesicht. Ein wenig überrascht waren wir über die Ausmaße der Meteora-Felsen. Kaum vier Quadratkilometer misst dieses Gebiet und drumherum nur Flachland. Also schlenderten wir am Wandfuß der Felstürme entlang und schauten ein paar Mutigen beim Klettern zu. Eine Wanderung zwischen den Felsen entlang, entpuppte sich dann auch als kleine Abenteuertour. Sie begann ganz harmlos auf breitem Wanderweg an einer schönen Kapelle und führte bergan in einem schmalen sich windenden Pfad zu bizarr geformten Steinen. An einem wie eine Keule aussehenden Felsen entschieden wir uns für einen auf der Wanderkarte markierten Weg nach Kalambaka. Zwar wunderten wir uns schon ein wenig über das zunehmend schwere Gelände, aber der Pfad schien uns der richtige zu sein. Später kamen noch kleine Kletterpassagen hinzu – selbst hier wurden wir noch nicht stutzig. Als uns auf einmal eine kleine Ziegenherde entgegenkam, fühlten wir uns nur noch bestätigt, denn wo die Tiere lang kommen, sagten wir uns, schaffen wir das schon lange. Also noch eine kurze Rast eingelegt und den nur fünf Meter von uns entfernten Ziegen bei ihrer Alltagsbeschäftigung zugeschaut: Fressen, Säugen und kleine Kampfeinlagen wurden uns geboten. Als die Herde dann ihren Rückzug über ein fußbreites Felsband direkt am Abhang antrat, wurde uns doch ganz schön mulmig. Zwar konnten wir Kalambaka von hier oben sehen, aber vor uns klaffte ein mindestens einhundert Meter tiefer steiler Abgrund. So traten wir unverrichteter Dinge den Rückweg – mehr abkletternd als wandernd – zurück. Vier Tage blieben wir auch nur in Meteora, zumal sich das Wetter nicht zwischen brütender Hitze und Regeneinlagen entscheiden konnte. Also fuhren wir nach Igoumenitsa, kauften uns ein Fährticket nach Bari und steuerten die Amalfi-Küste in Italien an. |