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16. Etappe – Amalfi-Küste PDF Drucken
Geschrieben von: Beate Kölling   
Sonntag, 28. Juni 2009 um 13:36 Uhr

300 Kilometer von Bari entfernt, erwartete uns die Amalfi-Küste mit 40°C, Sonnenschein und der engsten Küstenstraße unserer Reise mit den wohl verrücktesten Busfahrern der westlichen Hemisphäre. Dies alles umrahmt von landwirtschaftlich orientierten Terrassenbauten, an die Steilküste geklatschte Touristenstädte und jede Menge Berge. Also eigentlich massig Potential zum Klettern, wie man schon dem Internet als Vorabinformation entnehmen konnte. Doch Vorsicht – mangelnde Parkplätze, steile schwierige Zustiege in schwüler Atmosphäre und Felssicherungsarbeiten schränken den Kletterspaß massiv ein und machen es teilweise sogar unmöglich.

 

Infolge der landschaftlichen Gegebenheiten gestaltete sich die Campingplatzsuche diesmal als sehr schwierig – die Steilküste bietet sehr wenig Platz und das recherchierte „La Selva“ entpuppte sich als unter der Woche leer stehende Vereinshütte. Erst in Agérola auf 630 Höhenmeter, dort wo die Straßen wieder etwas breiter und das Verkehrsaufkommen sich etwas normalisiert, war unsere Suche erfolgreich. Auf der Grünfläche einer in einem alten Kirchengebäude ansässigen Jugendherberge konnten wir endlich unser Zelt aufschlagen. Neben einem fantastischen Blick auf die Küstenlinie von Amalfi und den Golf von Salerno bietet diese Stadt leckere Steinofenpizzen für den kleinen Geldbeutel. So konnte die Woche unser Campingkocher auch einmal Urlaub machen.

 

Und ewig lockt der Fels...

So bergig wie Amalfi daherkommt, wundert es nicht, dass es hier den ein oder anderen Kletterspot gibt. Hier gibt es zum Beispiel den mit vielen Sintersäulen gespickten „Monte Gambera“ oberhalb von Positano – leicht zu erkennen und markant an dem großen Loch im Fels, der es einem ermöglicht wahlweise auf die Schatten- oder Sonnenseite zu wechseln. Hier waren wir nicht klettern, denn trotz größter Bemühungen gelang es uns nicht einen Kletterführer zu erstehen. Die erste Auflage des Buches war vergriffen und eine neue noch nicht in Arbeit.

Als wir ins Klettergebiet „Torre de Ziro“ nahe Pontane aufbrachen, wurde uns dann auch einiges klar. Der schöne Felsrücken zwischen Atrani und Amalfi, der jahrelang zum klettern einlud, war verschnürt und unzugänglich hinter Stahlnetzen verschwunden. Man sah den Fels, die Routennamen, die Bolts … alles war noch da und trotzdem war ein klettern hier unmöglich. Nur eine Handvoll stark überhängender Touren und einige Dach-Routen blieb von diesen Maßnahmen verschont. Kein Wunder also, dass eine Neuauflage des Kletterführer nicht in Sicht war – wer schreibt schon Bücher über verloren gegangene Paradiese. So blieben uns nur die endlosen Stufen und Gassen der Stadt Pontane im Gedächtnis, welche wir nach enttäuschtem Rückzug aus dem ehemaligen Klettergebiet entlang schlenderten. Des weiteren erforschten wir die Basilika oberhalb der Stadt, bestaunten Eseltreiber und konnten den Blick von der antiken Kirchturmuhr des Ortes nicht abwenden.

Doch einen Versuch wollten wir noch starten und machten uns auf ins Klettergebiet „Furore“ 20 Fußminuten vom Camp entfernt. Hier scheint die Kletterwelt noch in Ordnung und wir versuchten uns in ein paar Routen in grauem von Tropflöchern übersäten Kalkstein. Leider war es Ende Mai schon unerträglich heiß, so dass wir in den südseitig ausgerichteten Sektoren regelrecht gegrillt wurden.

Nach unserem Info-Stand gibt es noch zwei weitere Klettergebiete auf der Amalfi-Halbinsel: das 50 Kletterrouten zählende „Punta D´Aglio“ nahe Scala und einen Spot hoch über Salerno. Inwieweit diese Gebiete klettertechnisch intakt sind, haben wir uns nicht mehr angeschaut. 2004 wurden all diese Gebiete wärmstens empfohlen – aber in fünf Jahren kann so einiges passieren.

 

Für den Wanderfreund hingegen wird auf der Halbinsel einiges geboten. In den kletterfreien Tagen erkundeten wir die Halbinsel per pedes und genossen die angenehme Frische des Mittelmeers. Keiner nämlich verlässt die Amalfi-Küste ohne sein Aushängeschild den „Sentiero degli Dei – Der Götterweg“ auf den engen Maultierpfaden immer 400 Meter über dem Mittelmeer bewandert zu haben. Wunderschöne Ein- und Ausblicke werden dem trittsicheren und an einigen Stellen schwindelfreien bestiefelten Naturliebhaber geboten. Bei klarem Wetter sieht man von hier oben sogar Capri. Die drei Stunden-Wanderung bietet Zeit sich an den Tiefblick zu gewöhnen und an der Naturschönheit zu laben, bis man vor den 1700 Stufen steht, die einen wieder zurück in die Zivilisation – der Stadt Positano – bringen.

Wer es weniger ausgesetzt und exponiert mag, dem sei einer der unzähligen Wanderwege durch die Wallnusswälder ans Herz gelegt. Zwar kämpften wir uns auf einem solchen auf schlechten Pfaden empor (da wir den Originalweg verloren hatten), wurden oben auf dem Gipfel dann aber mit einer Sicht auf Neapel und dem Vesuv mehr als entlohnt.

Apropos Vesuv. Auf selbigen standen wir ja schon einmal während unseres Ausflugs nach Sperlonga im April 2005. Diesmal hatte es uns die Stadt Pompeji angetan. In brütender Hitze und mit einem Stadtplan bewaffnet, machten wir uns an die Erkundung der 45 Hektar großen Ausgrabungsstätte. 70 verschiedene „Sehenswürdigkeiten“ kann man hier ansteuern – vom Tempel zum Amphitheater über Häuser berühmter Persönlichkeiten. Einzig der Blick und die Nähe des Vesuvs verschaffte einem eine leichte Gänsehaut in der sonst trostlosen wenig unterhaltsamen Stadt. Nach drei Stunden hatten wir aus dem Straßenwirrwarr wieder herausgefunden, bezahlten die horrenden Parkgebühren und machten uns auf ins auf 700 Höhenmeter gelegene Bismantova, wo wir uns etwas kühlere Temperaturen erhofften.

 

 
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